Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

von Helga Thauer
Foto: Claire Mueller / unsplash

Tipps zur Linderung und Vorbeugung hier im Blog und auf #holy.schritt

Das letzte Schwangerschaftsdrittel ist anstrengend. Au Backe, wenn dann noch Hämorrhoidalleiden dazukommen. Ein fieses Thema, das selten Beachtung findet – und Frauen doch vor viele Fragen stellt: Muss ich mit Hämorrhoiden in der Schwangerschaft zum Arzt? Stellen die Hämorrhoiden für die Geburt eine Gefahr dar? Welche Salben, Zäpfchen oder Präparate helfen? Anja und Marie geben auf unserem Instagram-Kanal @holy.schritt den einen oder anderen super Hebammentipp zu dem leidigen Thema Hämorrhoiden in der Schwangerschaft.
Ausführliche Antworten auf Eure Fragen findet Ihr auch direkt hier:

Warum entstehen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft?

Oder besser: Wieso treten Hämorrhoiden in der Schwangerschaft und nach der Geburt häufiger auf?

Eines vorweg: Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Sie entstehen nicht erst in der Schwangerschaft. Zusammen mit den Schließmuskeln sorgen diese Schwellkörper für eine gründliche Abdichtung des Analkanals. Meist spüren wir die Hämorrhoiden im Enddarm nicht. Doch bei vielen Schwangeren machen sie sich gerade im letzten Trimenon unangenehm bemerkbar.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Foto: iStock / damircudic

Auslöser sind zum einen die Hormone, die den Körper weich machen und die Venen erweitern. Zum anderen kann der Darm im Laufe der Schwangerschaftswochen träge werden. Betroffene Frauen leiden dann häufiger unter Verstopfung. Beim Stuhlgang müssen sie mehr drücken. Dabei kann es passieren, dass die Hämorrhoiden hervortreten. Ein weiterer Auslöser für Hämorrhoidalleiden kann die Geburt sein. Grund ist das aktive Pressen in der Austreibungsphase.

Welche Symptome machen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft?

Hämorrhoidalleiden können unterschiedliche Beschwerden hervorrufen. Sie werden je nach Veränderung der Gefäßpolster in 4 Schweregrade eingeteilt:

Grad I

Kleine Blutspuren am Toilettenpapier aber die Hämorrhoiden selbst sind noch nicht sicht- oder tastbar.

Grad II

Die Hämorrhoiden treten beim Stuhlgang aus dem After, ziehen sich jedoch wieder von selbst zurück. Es kommt zu Nässen im Afterbereich sowie zu Juckreiz und Brennen.

Grad III

Die Hämorrhoiden treten auch bei körperlichen Anstrengungen aus dem After. Sie ziehen sich nicht wieder von alleine zurück und müssen manuell wieder hineingeschoben werden.

Grad IV

Die Hämorrhoiden bleiben vor dem After und lassen sich nicht mehr in den After zurück schieben. Hier können sie sich entzünden und zu stärkeren Schmerzen führen.

Aber keine Sorge – wenn Ihr vor der Schwangerschaft keine oder kaum Probleme mit Euren Hämorrhoiden hattet, dann wachsen sie normalerweise nicht bis zum IV Grad während der Schwangerschaft an.

Noch einen Hebammentipp? Anja und Marie haben auf ihrem Blog hallohebamme die unterschiedlichen Stadien der Hämorrhoidalleiden sehr anschaulich dargestellt.

Wann muss ich mit Hämorrhoiden in der Schwangerschaft zum Arzt?

Das kommt auf den Schweregrad an. Gerade im Anfangsstadium lassen sich Hämorrhoidalleiden gut selbst behandeln. Doch das unangenehme Thema wird gerne verdrängt. Frei nach dem Motto „Wird schon wieder“. Wird es aber häufig nicht. Trotzdem scheuen sich viele Frauen, um Rat zu fragen. Tipp aus der MINA-Redaktion: Nicht lange warten, sondern die Gynäkologin oder den Gynäkologen beim nächsten Termin ansprechen, statt sich wochenlang zu quälen.

Welche Salben oder Cremes helfen bei Hämorrhoiden?

Es gibt Salben wie Posterisan protect, die in der Schwangerschaft ganz unbedenklich angewendet werden können. Das enthaltene Jojoba-Öl macht den After und die Analhaut geschmeidig und wirkt leicht antientzündlich. Vor dem Stuhlgang aufgetragen, fettet das enthaltene Bienenwachs den Analkanal und erleichtert…ja, genau. Nach dem Stuhlgang schützt es die Haut und Schleimhaut vor weiteren Reizungen. Mehr zu diesem Produkt findet Ihr hier. Das Mittel gibt es übrigens auch als Zäpfchen.

Zudem gibt es Salben mit Hamamelis, zum Beispiel Faktu lind. Der pflanzliche Wirkstoff wirkt entzündungshemmend, stillt kleinere Blutungen und hilft insbesondere bei nässenden Hämorrhoiden. Nach ärztlicher Rücksprache kann er auch während der Schwangerschaft eingesetzt werden.

Bei stärkeren Symptomen kann kurzzeitig der lokal betäubende Wirkstoff Lidocain helfen, der beispielsweise in der Salbe Posterisan akut enthalten ist. Hier ist die Anwendung in der Schwangerschaft jedoch nur mit ärztlicher Erlaubnis gestattet.

Hämorrhoidalleiden – so könnt Ihr akute Beschwerden lindern

Unabhängig von Salben oder Cremes könnt Ihr Eure Hämorrhoiden kühlen. Das wirkt schmerz- und juckreizlindern und funktioniert mit speziellen Mini-Kühlpads. Kreative Frauen füllen einfach Wasser in ein Kondom oder einen Latex-Handschuh und frieren es ein. So entstehen kostengünstige „Eiszapfen im passenden Format“.

Hämorrhoidalleiden – diese Fehler machen viele

Analhygiene ist wichtig. Doch die Verwendung von Feuchttüchern nach dem Stuhlgang kann buchstäblich nach hinten losgehen. Die enthaltenen Duft- oder Konservierungsstoffe können unnötige Reizungen verursachen. Deshalb einfach mit warmem Wasser reinigen oder wenn das unterwegs nicht möglich ist, spezielle Tücher, wie FaktuClean, benutzen.

Auch die Empfehlung von abschwellendem Nasenspray ist absolut fragwürdig. Nasensprays sind für die Anwendung im Analbereich weder gedacht noch zugelassen. Helft Euch lieber mit anderen Tipps oder beugt gleich richtig vor.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft vorbeugen – ist das möglich?

Damit Ihr gar nicht erst massive Beschwerden bekommt, könnt Ihr auf vier Dinge achten:

Ernährungstipps bei Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

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  • Ballaststoffreiche, ausgewogene Ernährung, um beim Stuhlgang weniger pressen zu müssen (Flohsamen können helfen)
  • Viel trinken (2,5 bis 3 Liter am Tag halten den Stuhl weich)
  • Ausreichend Bewegung (schaut hier, was an Sport in der Schwangerschaft möglich ist)
  • Pflegende Salben, um den Analbereich geschmeidig zu halten, das Pressen beim Stuhlgang zu vermeiden und vor Reizungen zu schützen
Hämorrhoiden in der Schwangerschaft vorbeugen

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Infektionsschutz in der Schwangerschaft – das solltet Ihr beachten

Besonders in der Schwangerschaft ist es wichtig, den Intimbereich zu schützen, da bakterielle Scheideninfektionen ein Risikofaktor für Fehl- und Frühgeburten sein können.

Achtet deshalb darauf, dass der pH-Wert Eurer Vagina immer im sauren Bereich zwischen 3,6 und 4,5 liegt. Die KadeFungin Milchsäurekur hilft, das empfindliche Milieu in der Vagina zu stabilisieren, sodass die Ausbreitung von Krankheitserregern gehemmt wird. Hier erfahrt Ihr mehr zu diesem einfachen und wirkungsvollen Infektionsschutz.

Stellen die Hämorrhoiden für die Geburt eine Gefahr dar?

Keine Bange, die Hämorrhoiden werden unter der Geburt nicht platzen. Auch eine zusätzliche Entzündung ist unwahrscheinlich, da Ihr ja gerade im Wochenbett auf Hygiene im Intimbereich achtet (worauf genau, könnt Ihr hier lesen).

Es kann allerdings sein, dass die Hämorrhoiden noch etwas mehr heraustreten. Um das Gewebe um den After unter der Geburt zu entlasten, kann es hilfreich sein, immer mal in den Vierfüßlerstand zu wechseln. Und wenn das Baby dann da ist, könnt Ihr Euch intensiv um Euch kümmern, mit Kühlung, Salben oder Wochenbettgymnastik.

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